Hier mein versprochener Erfahrungsbericht nach 1.025 km Rundfahrt durch Tschechien, die Slowakei und Österreich, bei komplettem Dauerfrost zwischen -2 und -14 Grad. Durchschnitt würde ich so auf ca. -5 Grad schätzen. Ortsverbindungsstraßen zu einem ordentlichen Teil Schnee- und Eisbedeckt (natürlich nicht die Autobahnen, aber von Ort zu Ort führt halt keine Autobahn!).
Ladesituation: In Tschechien und in der Slowakei ist ein Elektroauto noch die absolute Ausnahme. Wir waren (bis auf 1 x in der Slowakei) immer komplett alleine an den Ladesäulen. Ladekarten sind allerdings ein Muss - per EnBW- und EWEgo-App sind die Säulen nicht aktivierbar. Technisch war jede Säule in Ordnung und hat problemlos funktioniert.
Einmal in Österreich, bei einem einzelnen, älteren 50kW CCS-Lader, konnten wir das Fahrzeug nicht so positionieren, dass das (ziemlich kurze) Ladekabel von der Länge her an den doch ungünstig positionierten Ladeanschluss gereicht hätte. Die Ladesäule stand in der vorderen linken Ecke des Ladeplatzes: Sowohl vorwärts als auch rückwärts eingeparkt war das Kabel jedes Mal einiges zu kurz. Hier mussten wir dann unverrichteter Dinge wieder abziehen und auf einen anderen Lader in der Nähe ausweichen.
Ladepreis: Meist für 52, 56 oder 62 cent pro kWh. Einmal für happige 89 cent pro kWh (nicht weil wir mussten, aber wir waren da einkaufen - und immer wenn das Auto stand und warmgefahren war, und ein Lader in der Nähe war, haben wir ihn natürlich genutzt). Dafür ein anderes mal kostenfrei (in einer Hotel-Tiefgarage - da waren 2 Wallboxen mit fest angeschlossenen Typ2-Kabeln, die man "einfach so" verwenden konnte. Da wir aber das einzige E-Auto weit und breit waren, waren die beide für uns frei - wir konnten uns die aussuchen, die besser zum Ladeanschluss positioniert war - die andere hätte aber -knapp- auch gereicht!).
Verbrauch: Wir hatten vor Abfahrt komplett vollgeladen, und nach Heimkehr wieder: Haben insg. lt. den Ladesäulen und meiner Wallbox in Summe 179,5 kWh geladen. Macht 17,5 kWh/100km incl. Ladeverluste.
Wir haben darauf geachtet, den Wagen abends nicht mit leerem Akku auf den Parkplatz zu stellen, damit wir dann am nächsten Morgen nicht gleich den total eingefrorenen Akku laden mussten. Akku hatte dann während der Fahrt, wenn wir eine Ladesäule anfuhren, so ca. 8 Grad. Nach dem Schnellladen dann ca. 25 Grad. Das ist alles in dem Verbrauch mit drin. Wir hatten die SItzheizungen während der Fahrt meist laufen, auch die Lenkradheizung. Luftheizung stand auf 21,5 Grad und 1/8 Lüfter. Zwischendurch habe ich mal mit Umluft getestet, weil ich mir davon niedrigere Heizungsverbräuche erwarte, aber da muss man alle 10min. für 2 min. wieder auf "Außenluft" umschalten, damit nichts beschlägt. Das wäre also ganz klar noch ein Verbrauchssenkungspotential, aber halt aufwändig während der Fahrt.
Ladedauer und Ladezeitvertreib: Wir fuhren die Ladesäulen meist mit ca. 10-15% Restkapazität an, und luden dann bis ca. 80% (über 80% ging die Ladeleistung dann so in den Keller, dass wir lieber weiterfuhren).
Das dauerte bei diesen Temperaturen jeweils ca. 40 Minuten (meist so 30-47kW, Höchstladeleistung war (leider nur kurzfristig) immerhin 78kW), die wir entweder in nahegelegenden Cafe's oder McDonalds, 2x mangels solcher aber auch im Auto verbrachten. Allerdings beide Male bei Sonne bzw. nur leichter Bewölkung - und der Wagen wurde nicht unangenehm kalt in diesen jeweils 40min (davor halt warmgefahren, Türen nur kurz auf zum Anstecken, 2 Leute heizen außerdem ja auch...), obwohl während des Ladens nicht die Autoheizung leider genutzt werden kann (weder Luftheizung noch Sitzheizung), weil man ihn nicht "anlassen" kann, ohne dass die Ladung abbricht - und ohne "ready" wiederum die Fahrzeugheizungen nicht funktionieren. ABER: Man kann die Zündung einschalten während des Ladens, und dann hat man Musik, USB-Strom und 12Volt-Zigarettenanzünderstrom (und das sogar "ohne Ende", weil die 12V-Batterie während des Ladens offenbar auch geladen wird - jedenfalls zeigte das eingesteckte Spannungsmessgerät durchgängig 14.x Volt an!). Damit könnte man also während der gesamten Wartezeit einen kleinen 12V-Heizlüfter oder eine 12V-Sitzheitungsauflage (oder ggf. auch einen 12V-Wasserkocher) betreiben, ohne die 12V-Batterie leerzusaugen! Halt alles, was es so für 12V-Anschluss zu kaufen gibt. Dazu eine Frage: Wie ist der 12V-Anschluss den abgesichert? Mit 10A oder 15A? Je nachdem könnte man bis zu 120W oder eben sogar 180W-Geräte betreiben...
Schneetauglichkeit: Ich wohne in Oberbayern auf dem Land, fahre seit Jahrzehnten daher regelmäßig auch in verschneiten Straßensituationen, und traue mir daher ein einigermaßen valides Urteil zu: Der Wagen ist mit seinen Allwetterreifen von Goodyear definitiv winterstraßentauglich: ESP und ABS funktionieren unauffällig und zuverlässig, Traktion passt, und das beste: Er lässt sich super gefühlvoll anfahren, um nicht durchzudrehen und sich einzugraben. Dazu war bei Verbrennern einiges an Erfahrung beim "mit der Kupplung spielen" notwendig. Hier einfach gaaaanz sachte aufs Strompedal. Tja, meine Verbrenner-Anfahrkünste brauchte ich bei diesem Fahrzeug nicht einzusetzen. Die kann ich jetzt also getrost und in Ruhe verlernen!
Summa summarum: Man ist langsamer unterwegs als mit dem Verbrenner, aber kommt viel gechillter an! Urlaub mit dem E-Auto funktioniert problemlos, selbst im Winter und mit unseren reichweitenschwachen Wagen ohne Akkuklimatisierung! Und selbst in den noch rel. schlecht ausgebauten osteuropäischen Ländern ist das Ladenetz dafür gut genug ausgebaut (für die wenigen dort herumfahrenden E-Autos eigentlich ZU gut - uns hats gefreut!).
Somit Test erfolgreich bestanden! Unser nächstes Wohnmobil wird jetzt definitiv auch ein elektrisches!